Herzlichen Glückwunsch Ulli Pichler: Franz Anton Hamburger Preis

Herzlichen Glückwunsch Ulli Pichler: Franz Anton Hamburger Preis

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH AN ULLI PICHLER

Als erste Orthoptistin hat unsere sehr geschätzte Kollegin Ulli Pichler im Mai 2022 den Franz Anton Hamburger Preis bekommen!

Das Consilium Strabologicum Austriacum der ÖOG vergibt den mit 2000,- dotierten Preis für besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Strabologie zum Gedächtnis an Prof. Dr. Franz Anton Hamburger.

Im Rahmen einer Multi-Centre-Study stellte Ulli Pichler folgende Forschungsfrage: Ist das postoperative Ergebnis nach Schieloperation bei Esophorie abhängig von der Dauer der Prismenadaptation (PAT) vor dem Eingriff?

Seit 2011 arbeitet Ulli Pichler (inzwischen) als leitende Orthoptistin am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Seit 2021 besucht sie den Masterlehrgang Hochschuldidaktik für Gesundheitsberufe an der FH Gesundheitsberufe OÖ. Von 2007 bis 2010 absolvierte sie den Master of Science (MSc) in Mediation und Konfliktmanagement auf der EMCA Acadamy (Masterarbeit: Bedürfnis-Indikatoren in der Arzt-Patient-Interaktion).

Wir alle kennen sie als sehr beliebte Vortragende auf diversen Kongressen. Vielen von uns haben einen ihrer kurzweiligen praxisnahen Workshops besucht (zu den Themen: Asthenopie, Neuroorthoptik, Nystagmus und Schieloperationen) und unsere jüngeren Kolleg:innen kennen sie als Lehrende an der FH Salzburg und FH Campus Wien. Ihre Ausbildung beendete sie 2003 an der Akademie für den orthoptischen Dienst in Salzburg.

Liebe Ulli, wir gratulieren dir herzlich und sind sehr stolz auf dich! Wir hoffen, dass dein Tun ein Ansporn für vielen Kolleg:innen ist, im Gebiet der Orthoptik zu forschen und für weitere Preise einzureichen, um so die Wichtigkeit unserer Berufsgruppe hervorzuheben.

_______________________Ulli Weissenböck

 

Hamburger Preis 2022

2012 habe ich bei verschiedenen Kliniken an den Sehschulen angefragt, ob sie bereit wären, an einer Multi-Centre-Study mitzuarbeiten und eine Zusage von der Sehschule im Wiener Hanuschspital, Sehschule St. Pölten, Sehschule Wels und Sehschule Salzburg erhalten.

Folgende Forschungsfrage stand für die Beantwortung im Raum: ist das postoperative Ergebnis nach Schieloperation bei Esophorie abhängig von der Dauer der Prismenadaptation (PAT) vor dem Eingriff?

Das praeoperative Procedere wird in verschiedenen Kliniken unterschiedlich angewendet, eine Evidenz für ein bestimmtes Procedere fehlte bisher jedoch.

Für die Studie wurden 3 Gruppen gebildet: bei Gruppe 1 wurde der PAT 1-3 Stunden ambulant durchgeführt, bei Gruppe 2 ein Teilausgleich mit Prismenfolien von mindestens 4 Wochen, bei Gruppe 3 ein Vollausgleich mit Prismenfolie von mindestens 4 Wochen. Die postoperativen Ergebnisse wurden dann hinsichtlich Schielwinkel und sensorischem Outcome miteinander verglichen. Durch Studie ist bereits belegt, dass der Winkel praeoperativ maximal gesteigert werden sollte. Es zeigt sich bei unserer Studie, dass die Dauer des Prismentragens keinen Einfluss auf das postoperative Outcome hat, es konnte kein signifikanter Unterschied in den Gruppen gefunden werden.

2021 habe ich mit Hilfe von Dr. Anna Reisinger (ehemals Mursch-Edlmayr) die Zusammenfassung der Studie als Publikation im Acta Ophthalmologica Journal eingereicht, wo diese nach zweimaligem Review-Verfahren auch sofort angenommen wurde. Dieses Journal hat einen Impact Factor von 3,76 und ist hoch angesehen in der Ophthalmologie. Die Studie konnte open acess publiziert werden und ist somit für alle frei zugänglich.

Anfang 2022 macht mich Prof. Matthias Bolz darauf aufmerksam, dass es von der ÖOG den Hamburger Preis für wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der Strabologie gibt. Dieser wurde zu dem Zeitpunkt nur an Ärzte/Ärztinnen vergeben. Ich habe meinen Artikel dafür trotzdem eingereicht, mit der Anfrage, warum nicht auch Orthoptistinnen/Orthoptisten dafür zugelassen werden. Kurze Zeit später bekam ich die Information, dass die Zugangsvoraussetzungen für den Preis auf Orthoptistinnen/Orthoptisten erweitert worden war und mein Beitrag heuer berücksichtigt wird.

Lange habe ich dann gewartet und nichts mehr gehört. Ich wusste nur, dass der Preis bei der ÖOG im Rahmen des CSA vergeben wird. Genau zu der Zeit hatte ich schon seit einigen Monaten meinen Urlaub auf Sardinien geplant und wusste, dass ich nicht bei der ÖOG teilnehmen konnte. Am Samstag, 28.5.2022, bekam ich dann in der Früh eine Nachricht von unserer Präsidentin Romana Weidinger mit der Information, dass bei der CSA Sitzung am Freitag beschlossen wurde, dass ich diesen Preis bekommen werde. Ich habe mich riesig gefreut und wäre nun natürlich gern vor Ort gewesen – da dies nicht möglich war, habe ich eine Videobotschaft mit einer kleinen Dankesrede geschickt, die dann beim CSA abgespielt wurde.

Ich finde es großartig, nicht nur für mich als Einzelperson, sondern für unsere Berufsgruppe, dass eine Orthoptistin einen Wissenschaftspreis erhält und auch in Zukunft Orthoptistinnen/Orthoptisten Beiträge für so einen Preis einreichen können! Ich hoffe, es folgen noch viele nach.

_________________Ulli Pichler

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