Orthoptik bei Teilleistungsschwäche, Legasthenie, LRS

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Nicht immer sind Probleme beim Lesen, Schreiben und Rechnen mit Augenproblemen zu erklären aber oft können unentdeckte Sehfehler und Störungen in der Zusammenarbeit beider Augen den Schulalltag und Lernerfolg sehr erschweren.

Regelmäßige orthoptische und augenärztliche Kontrollen sind daher wichtig!

Nicht nur die Augen sind am Sehen beteiligt!

Beim Betrachten eines Objektes entsteht auf der Netzhaut des Auges ein Abbild, das von den Netzhautzellen in elektrische Impulse umgewandelt wird. Diese Impulse werden durch die beiden Sehnerven in das Gehirn an die Sehrinde geleitet. Erst dort-in der Sehrinde- beginnt die visuelle Wahrnehmung, also das Erkennen und Interpretieren eines Bildes.

Ein anstrengungsfreies, entspanntes Sehen mit beiden Augen ist die Voraussetzung für eine optimale Bildaufnahme und Bildverarbeitung im Gehirn.

Mögliche Beschwerden der Kinder beim Lesen, Schreiben, Rechnen:

• Kopfschmerzen
• Augenschmerzen
• Blinzeln, Kneifen
• Augenbrennen,-tränen,-reiben
• Buchstaben sind verschwommen, sie „tanzen“
• Verlieren der Zeile beim Lesen, Probleme beim Zeilensprung
• Abschreibfehler von der Tafel oder vom Buch/Heft
• Probleme beim Wechsel des Blickes von Ferne zu Nähe oder umgekehrt
• Lichtempfindlichkeit
• Geringer Leseabstand, das Kind schreibt „mit der Nase“
• Verwechseln von Buchstaben, Zahlen
• Konzentrationsschwäche
• Rasche Ermüdbarkeit

Diese Beschwerden können in gleicher Weise sowohl bei nicht oder unzureichend korrigierten Fehlsichtigkeiten, Schielen, Naheinstellungsschwäche, Augenerkrankungen, etc. als auch bei Legasthenie, LRS, Teilleistungsschwäche, visuellen Wahrnehmungsstörungen etc. angegeben werden!

Fehlsichtigkeiten:

• Weitsichtigkeit (Hyperopie): Der Augapfel ist zu kurz gebaut. Um scharf zu sehen muss als Ausgleich die Augenlinse durch den inneren Augenmuskel (Ziliarmuskel) vermehrt gekrümmt werden. Dieser Ausgleich bedeutet Mehrarbeit und Anstrengung wodurch es zu Beschwerden bei der Nahsicht kommen kann. Die Weitsichtigkeit wird mit Plusgläsern korrigiert.

• Kurzsichtigkeit(Myopie): Der Augapfel ist zu lang gebaut, daher entsteht kein scharfes Netzhautbild und der Patient sieht unscharf in der Ferne (Tafel-Abschreibfehler, Beamer, Straßenschilder,…) Die Kurzsichtigkeit wird mit Minusgläsern korrigiert.

• Hornhautverkrümmung (Astigmatismus): Die Hornhaut ist ungleich gekrümmt und der Patient sieht in der Ferne und Nähe unscharf oder doppelkonturig.

Schwachsichtigkeit (Amblyopie):

Wenn ein Auge schielt oder es durch unterschiedliche Sehfehler (Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung) oder aber durch seitenungleiche organische Bedingungen (z.B. bei Linsentrübung) dazu kommt, dass die Seheindrücke der beiden Augen stark unterschiedlich sind, kann das Gehirn die beiden Netzhautbilder nicht überlagern.
Es unterdrückt das unschärfere Bild. Dadurch, dass das Bild eines Auges unterdrückt wird, kann sich aber die Sehkraft an diesem Auge nicht mehr entwickeln, das Auge wird sehschwach (=amblyop).

Schielen:

Bei 80% aller Patienten finden sich kleine Abweichungen der Augen, man nennt es latentes (verborgenes oder verstecktes) Schielen. Normalerweise sind die natürlichen Ausgleichsmechanismen völlig ausreichend um beschwerdefrei zu sehen.

Wenn allerdings Beschwerden entstehen, ist eine Therapie unbedingt nötig.

Schielt ein Kind mit einem Auge ständig (manifest), so unterdrückt das Gehirn dieses, um Doppelbilder zu vermeiden.
Ständiges Schielen ist eine Krankheit, kein Schönheitsfehler!

Nacheinstellungsschwäche (Hypoakkommodation):

Um in der Nähe scharf zu sehen muss die Augenlinse gekrümmt werden. Eine Schwäche der Naheinstellung führt zu einer ständigen Überanstrengung beim Sehen in der Nähe und kann zu den oben genannten Beschwerden wie Kopfschmerzen, brennen, verschwommen sehen etc. führen.
Organische Augenerkrankungen:

Netzhauterkrankungen, Erkrankungen des Sehnervs, angeborener Grauer Star,….

Orthoptische und augenärztliche Untersuchung:

• Überprüfung der Sehleistung ( einäugig, beidäugig) in Ferne und Nähe
• Skiaskopie:
   Ermittlung der objektiven Refraktion (Feststellen einer Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung) mit medikamentöser Pupillenerweiterung
• Überprüfung des beidäugigen Sehens - von einer Orthoptistin/einem Orthoptisten durchgeführt:
  - Prüfung der Augenstellung (ob ein Schielen vorliegt)
   -Prüfung des räumlichen Sehens
   -Farbtest
   -Konvergenzvermögen
   -Beweglichkeit der Augen ( Motilität)
   -Fusionsbreite
   -Prüfung des bevorzugten Auges
   -Prüfung der Nahanpassungsfähigkeit
   -Okulärer Belastungstest ( Untersuchung der Augen unter Belastung )

• Untersuchung des Augenhintergrundes zum Ausschluss von organischen Augenerkrankungen durch den Augenarzt/ärztin

 Augenärztliche und orthoptische Therapiemöglichkeiten bei Kindern mit Sehproblemen:

• Verordnung einer Brille zum Ausgleich von Fehlsichtigkeiten, bei Naheinstellungsproblemen
• Schielbehandlung: spezielle Augenübungen zur Verbesserung oder Festigung des beidäugigen Sehens, spezielle Brillen (Prismenbrillen) zur Korrektur eines Schielwinkels

Eine Brille, Schieltherapie,... kann die Legasthenie nicht "heilen", aber die nötige Voraussetzung schaffen für ein anstrengungsfreies, entspanntes Sehen beim Lesen, Schreiben und Rechnen.

Ebenso ist ein gutes Sehvermögen und entspanntes Sehen für den Erfolg eines Legasthenietrainings wichtig.

Mädchen - Schielen - DoppelbilderBaby sieht unter der Decke hervor - Schielen - DoppelbilderJunge mit Buch - Schielen - Doppelbilder

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