Mit einem Schlaganfall im Dezember 2001 änderte sich mein/unser Leben sprichwörtlich „schlagartig“.

Nach einigen Wochen auf der Neuroaktustation wurde ich zur Rehabilitation in die Gailtal-Klinik nach Hermagor überstellt. Ein längerer Reha-Aufenthalt stellte mich bald vor vollendete Tatsachen: Lähmung des linken Arms, Beeinträchtigung beim Gehen, zu Beginn ging ohne Rollstuhl gar nichts!

Was ich als letztes wahrnahm, war der Gesichtsfeldausfall – ich bemerkte Dinge, die links lagen und Personen und Fahrzeuge, die von links auf mich zukamen gar nicht oder nur teilweise und viel zu spät. Dies für mich zu akzeptieren und anzunehmen war ein sehr schwieriger Teil meiner Therapie in der Gailtal-Klinik. Mit meiner Orthoptistin, die mit verschiedensten Therapiematerialien mit mir täglich übte, lernte ich, wieder mehr auf die linke Seite zu achten. Bei den Fahrten (als Beifahrerin!) zu meinen Wochenendbeurlaubungen nach Hause wurde ich von meiner Familie immer wieder gefragt ob ich diese oder jenes auf der linken Seite bemerke. Meist musste ich leider verneinen; da wurde mir klar, dass ich noch viel lernen und üben musste.

Nach sechs Monaten REHA- Aufenthalt in Hermagor durfte ich wieder in mein Leben, welches ein anderes geworden war, zurückkehren.

Das Besteck haben wir vergessen! Es war aber links gedeckt; Die Kaffeetasse ist nicht da!, sie stand aber auf dem Tisch linksseitig von mir!

In ewig langen kleinen tagtäglich wiederkehrenden Übungen lernte ich mich auf meine linke Seite zu konzentrieren, mich aus dem Rollstuhl zu bewegen, den Stock nur mehr ausser Haus zu benützen, normale Turnschuhe zu tragen.

Jetzt, nach vielen Jahren der Mühen und des Niemalsaufgebens, eingebettet im Familienverband, darf ich stolz sagen: Wir haben es geschafft!!

Viele Dinge des alltäglichen Lebens schaffe ich wieder alleine, ich verreise gemeinsam mit meinem Mann und meinen zwei Kindern gern und oft, der Rollstuhl steht jetzt am Dachboden und nur noch manchmal erwischt mich mein Mann, wenn ich die Kaffeetasse suche. Jetzt weiß ich aber wo sie zu finden ist: auf der linken Seite!!

Ich möchte möglichst vielen Betroffenen Mut machen, es zu probieren und nochmals zu probieren und auf keinen Fall aufzugeben – es lohnt sich!!

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